18.02.2021
Arbeitswelt

Wie sag ich’s richtig? Über die Suche nach den richtigen Worten

Von Marion Hodapp, Sourcerin (she/her)

Sicher, das Thema ist nicht neu. Doch die Frage der korrekten Gender-Pronounciation bekommt immer wieder frischen Wind. So ist mir, als Sourcerin in diversen Social-Media-Kanälen, in den letzten Wochen viel häufiger als zuvor die Nennung der Pronomen aufgefallen, die ein*e Kandidat*in sich bei der Ansprache wünscht. In der Regel stehen hinter dem Vor- und Nachnamen in Klammern die gewünschten Pronomen in konjugierten Formen wie zum Beispiel (he/him/his), (she/her) oder (they/them).

Da stellt sich die Frage: Brauchen wir – und damit meine ich jetzt uns Sourcer*innen – das?

Meine Einstellung dazu: Gerne! Und zwar immer dann, wenn ich an Namen und/oder Bild nicht das von der Person gewünschte und als richtig empfundene Gender ablesen kann.

Ganz logisch – Peter Müller, dessen Profilbild ihn mit Vollbart und Karohemd vor einem Pickup mit einer Jagd- oder Angeltrophäe zeigt, ist maskulin! Äh, … oder? Unsere konservativ strukturierte Denkweise würde uns ihn mit „Herr Müller“ ansprechen lassen. Aber was bitte sagen ein Foto und ein Name über die emotionale und gelebte Zugehörigkeit zu einer spezifischen Geschlechts- oder Gendergruppe aus? Kurzgefasst: Rein gar nichts.

Anderes Beispiel: Jamie Fergusson ist ohne Bild mit seinem (oder ihrem?) professionellen Profil auf den diversen Plattformen aktiv. Durch verschiedene Posts sowie die Darstellung des Lebenslaufs in englischer Sprache können wir keine Titel ablesen, die uns zu einer konkreten Gender-Zugehörigkeit tendieren lassen. Wie spreche ich sie*ihn korrekt an? Natürlich geht der Spagat, die Genderfizierung charmant zu übergehen. Wir können Jamie z.B. nur mit „Guten Tag“, „Hi“ oder mit Vornamen ansprechen und im weiteren Text immer auf die „Expertise im Bereich Projektmanagement“ hinweisen, statt beispielsweise zu formulieren: „Sie als Projektmanagerin…“ Das ist dann teils leider unschön zu lesen und verursacht schon beim Verfassen einen Doppelknoten im Gehirn.

Aus diesem Grund nehmen wir Sourcer*innen die Hinweise in Ihren Profilen zu Ihrer bevorzugten Ansprache mit Freuden entgegen. Sofern oben genannter Peter Müller kein Problem mit der Ansprache „Herr Müller“ hat, muss er dies auch nicht weiter definieren. Jamie F. oder jede*r andere, deren/dessen Name und Bild in sozialen Profilen nicht eindeutig auf das bevorzugte Pronomen bzw. auf das gelebte Gender hinweisen oder sich vielleicht auch entgegengesetzt eingruppieren lassen, darf dies aber gern benennen. Wir freuen uns, wenn wir damit gemeinsam den richtigen Kommunikationsweg finden. Auch wenn wir mit einer solchen Kategorisierung ein wenig ins Schubladendenken zurückfallen, sind die Schubfächer damit doch immerhin ein bisschen vielfältiger geworden!

Wir rufen Sie zurück