14.01.2021
Arbeitswelt

KI im Recruiting: eine echte Option. Oder?

Von Ann-Sophie Brasser, B. A. Internationales Personalmanagement und Organisation

Künstliche Intelligenz  ist eine neuartige Technologie mit menschenähnlichen Fähigkeiten. KI-basierte Systeme sollen Probleme eigenständig bearbeiten und idealerweise lösen, indem sie verstehen, schlussfolgern, lernen und interagieren. Und früher oder später machen sie Personalverantwortliche überflüssig.

Ganz so düster sieht es für die Beschäftigten im HR-Bereich vielleicht doch nicht aus. Aber welche Einsatzmöglich-keiten gibt es für KI im Recruitingprozess? Kurzgefasst: Mittels KI lassen sich heute schon Lebensläufe von Bewerbenden auswerten, Gespräche analysieren und Empfehlungen abgeben: Frau AB gerne einstellen, auf die Dienste von Herrn XY lieber verzichten. Technisch verbergen sich dahinter zum Beispiel

  • Chatbots
  • CV-Parsing
  • Empfehlungssysteme & semantische Suchmaschinen

Und was heißt das jetzt?

Intelligente Chatbots kommen in verschiedenen Phasen des Recruitingprozesses zum Einsatz. Man geht davon aus, dass sie zukünftig durch den Einsatz von Screening-Fragen oder CV-Filtering bereits eine Erstauswahl aus eingegangenen Bewerbungen unterstützen können. Auch lassen sich mittels Chatbot beispielsweise Fragen zu Stellen oder unterschiedlichen Karrieremöglichkeiten beantworten. Der Chatbot ermöglicht es dem Hilfesuchenden anhand dezidierter Kriterien wie dem Arbeitsort oder der Berufserfahrung, passende Stellen inklusive Verlinkung zu ausgewählten Stellenanzeigen anzubieten und Bewerbungen direkt einzureichen. Im On-Boarding-Prozess kann ein Chatbot als kompetente Begleitung eingesetzt werden: Er stellt Dokumente und Accounts zur Verfügung und hält Tipps für neue Mitarbeitende bereit.

Ein CV-Parser ist eine Technologie, die aus unstrukturierten Dokumenten, wie zum Beispiel verschiedenen Lebensläufen, wichtige Informationen herausfiltert und verarbeitet. Anhand einer semantischen Analyse kann ein CV-Parser Lebenslaufdaten automatisch in vorstrukturierte Datenfelder eintragen. Aktuell werden CV-Parser oftmals im Zusammenhang mit One-Click-Bewerbungen eingesetzt. Ein Vorteil für Bewerbende: Der Bewerbungsprozess ist unkompliziert und lässt sich in wenigen Minuten abschließen, da die personenbezogenen Daten nicht mehr manuell in Formulare eingetragen werden müssen. Für Unternehmen ist es wiederum eine geeignete Möglichkeit, wichtige Daten direkt in das Bewerbermanagementsystem gespielt zu bekommen und Talente, die möglicherweise keine Zeit oder Lust haben sich längere Zeit mit einem Formular zu befassen, für sich zu gewinnen.

Empfehlungssysteme unterstützen die Suchphase im Recruitingprozess erheblich. Sowohl Job-Recommender – Systeme, die Jobsuchenden passende Stellen vorschlagen – als auch Talent-Recommender – Systeme, die Unternehmen vielversprechende Personen für Vakanzen präsentieren – können den Prozess durch den Einsatz von KI erheblich vereinfachen. Talent-Recommender werden zum Beispiel gerne im Rahmen von Active Sourcing eingesetzt.

Semantische Suchmaschinen arbeiten mit Algorithmen, die intelligent und selbstlernend handeln. Durch Errechnungen der eingegebenen Keywords zeigen sie ähnliche Inhalte, die auf der Basis von Suchergebnissen anderer Suchen aufgebaut sind.

Macht KI HR-Verantwortliche arbeitslos? Nein. Aber ganz sicher ist KI eine Technologie, die sich exponentiell entwickelt und das Leben stark beeinflussen wird. Insbesondere aktuell, wo der Fachkräftemangel in vielen Branchen spürbar ist und Unternehmen um ihre Talente kämpfen müssen, ist ein effektiver und effizienter Personalgewinnungsprozess unerlässlich. Dieser lässt sich in vielen Bereichen durch KI optimieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen nun step-by-step KI in ihre Prozesse integrieren.

Durch den sinnvollen Einsatz KI-basierter Tools wird es zu einer Verschiebung der Aufgaben innerhalb des HR-Bereiches kommen. Wiederholende Aufgaben können von KI-basierten Systemen übernommen werden, wodurch Recruiting-Teams viel Zeit einsparen und diese ideal in die endgültige Talentauswahl investieren können.

Fazit: Sinnvoll und bewusst eingesetzt, ist KI eine hilfreiche und notwendige Unterstützung. Eine Bedrohung für Recruiting-Profis? Nein.

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